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April 2007 Financial Times Deutschland

von Antonia Götsch (Berlin)

Im Wettbewerb um die besten Forscher blicken Unis und Unternehmen zunehmend ins Ausland. Mit Geld und Werbung versuchen sie deutsche Auswanderer zurückzulocken.
Felix Engel kann Herzen nachwachsen lassen. Zumindest hat er herausgefunden, wie man Herzzellen teilt. In den USA, wo er seine Entdeckung gemacht hat, ist er bekannt. Sein Name stand in allen großen Zeitungen. In Deutschland hingegen fand der 36-jährige Zellbiologe jahrelang keinen Job. "Ich betreibe Risikoforschung, die in vielen Fällen ohne Ergebnis bleibt", sagt Engel, "dafür gibt es hier keine Fördergelder und keine Stellen."

Auswanderern wird die Rückkehr mit Förderprogrammen schmackhaft gemacht

Braingain: 5000 deutsche Forscher in den Vereinigten Staaten sind eine heiß umworbene Zielgruppe bei Unternehmen. Nach fünf Jahren in Harvard ist der Nachwuchsforscher nun doch zurück. Eine Assistenzprofessur an der Eliteuni hat er ausgeschlagen - dank eines Förderpreises des Bundesforschungsministeriums, der Spitzenforscher aus dem Ausland nach Deutschland locken soll. Mit den 1,1 Mio. Euro aus dem Sofja-Kovalevskaja-Preis kann Engel über vier Jahre eine eigene Nachwuchsgruppe aufbauen. Zwei Doktoranden hat er schon eingestellt, einer kommt noch. "Ohne den Preis wäre ich nicht zurückgekommen", sagt Engel. Stiftungen, Politiker und Wissenschaftsorganisationen versuchen zunehmend, Auswanderern die Rückkehr mit Förderprogrammen schmackhaft zu machen. Inzwischen engagieren sich auch Unternehmen für den "Braingain".

Schließlich verlassen jedes Jahr allein mehr als 2000 Wissenschaftler Deutschland in Richtung USA. Über 5000 Deutsche forschen derzeit dort. Und die Hälfte der akademischen Auswanderer kehrt nicht zurück. "Das ist ökonomisch ein großes Verlustgeschäft, schließlich hat Deutschland viel Geld in die Ausbildung dieser Leute investiert", sagt Katharina Aly, Geschäftsführerin der German Scholars Organization (GSO). Die gemeinnützige Einrichtung vernetzt und informiert deutsche Wissenschaftler in den USA, mit dem Ziel, sie in die Heimat zurückzulocken.

Nordrhein-Westfalen lockt mit einem eigenen Rückkehrerprogramm

Politik und Wissenschaftsorganisationen haben die Abwanderung der Elite inzwischen als Thema erkannt. Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland ein Rückkehrerprogramm ausgeschrieben, für das zwischen 2007 und 2011 rund 10 Mio. Euro bereitstehen. Für die 140 Auswanderer, die die GSO vergangene Woche zur Konferenz nach Berlin eingeladen hatte, nahm sich Bundespräsident Horst Köhler persönlich Zeit und ließ sich erklären, was sie zurücklocken würde: verlässliche Karrierewege, vergleichbare Bezahlung und weniger bürokratische Hürden.

"Neu ist, dass sich verstärkt Unternehmen für die Rückkehr engagieren", berichtet Aly. Schon seit 2004 veranstaltet die GSO parallel zum Jahrestreffen der Scholars eine Jobbörse, zu der sie auch deutsche Firmen einlädt. "Das Interesse an solchen Veranstaltungen steigt", sagt Aly. Zu den wichtigsten Unterstützern zählt seit Januar die Deutsche Bahn. Im März hat das Unternehmen erstmals einen Marketing- und Personalmanager in die USA entsandt. Der soll die GSO bei der Organisation des Auswanderernetzwerks unterstützen. "Als großer Arbeitgeber haben wir eine soziale Verantwortung und wollen helfen, dass gute Wissenschaftler hier in Deutschland forschen", sagt Matthias Afting, Leiter der Abteilung Personal- und Bildungsstrategie. Angenehmer Nebeneffekt: Die Bahn hat einen Headhunter vor Ort. "Natürlich haben wir auch ein Interesse, Spitzeningenieure und -techniker zu gewinnen", sagt Afting.

McKinsey rekrutiert 10 bis 15 Prozent der deutschen Mitarbeiter in den USA

Die Beraterfirma McKinsey kooperiert nicht nur mit der GSO, sondern ist an allen Jobbörsen großer US-Unis vertreten, um dort gezielt nach deutschen Exilanten zu suchen. "Wir rekrutieren 10 bis 15 Prozent unserer deutschen Mitarbeiter in den USA", sagt Kalle Greven von McKinsey. "Wer für seine Karriere ins Ausland geht, um dort nach den besten Forschungsbedingungen zu suchen, bringt genau den Biss mit, den wir wollen."

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