Vernetzt in den Staaten

Februar 2006 academics.de

Mehrere Organisationen bemühen sich um die Vernetzung der deutschen Forschercommunity im Ausland. Vor allem in den USA - traditionell beliebtestes Ziel für deutsche Forscher - wächst das Angebot.

von Marc-André Rüssau

Mit 30 Jahren hat Nadine Gaab Stationen an Forschungs-einrichtungen vorzuweisen, von denen viele älter Kollegen nur träumen können: Die Postdoktorandin forschte und arbeitet schon in Harvard und ist jetzt am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Und sie engagiert sich für die deutsche Community in den Vereinigten Staaten. Hier organisiert sie den Stammtisch für deutsche Wissenschaftler des Forschernetzwerks GAIN: "Wir besprechen ganz praktische Dinge: Visa-Verlängerungen, Greencard-Bewerbungen, die Schwierigkeiten als Ausländer Drittmittel einzuwerben. Und es ist nett, auch mal wieder deutsch zu sprechen."

Amerikanisches Forschernetzwerk GAIN

GAIN ist der Versuch, das lockere Netzwerk der deutschen Auslandsforscher in den USA zu institutionalisieren. Die Initiative wurde Ende 2003 auf Vorschlag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ins Leben gerufen, und kooperiert mit den "großen Drei" der deutschen Stipendiengeber: Dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Alexander von Humboldt-Stiftung. Ein Großteil der Stipendienempfänger dieser Organisationen geht nach Amerika. "In vielen Fachbereichen gehört es zum guten akademischen Ton, in den USA gewesen zu sein," so Katja Simons.

Dennoch betreibt GAIN nach eigenen Angaben trotz der BMF-Initiative nicht hauptsächlich Rückkehrförderung: "Uns geht es ebenso ernsthaft um das Kontakt halten und die weitere wissenschaftliche Zusammenarbeit mit denjenigen deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich für einen längeren oder dauerhaften Aufenthalt im US-amerikanischen Wissenschaftssystem entschieden haben." Schließlich könnten Kontakte zu Wissenschaftlern in amerikanischen Excellenzzentren für die deutsche Wissenschaft noch hilfreicher sein als Rückkehr von deutschen Wissenschaftlern. Mit dem Newsletter kündigt GAIN nicht nur eigene Veranstaltungen für deutsche Wissenschaftler an, sondern verbreitet auch Informationen über die hochschulpolitische Entwicklung in Deutschland.

Mehr als offene Briefe: die GSO

Mit einem simplen Schriftstück schaffte es die German Scholars Association (GSO), auf sich aufmerksam zu machen. In einem offenen Brief verknüpften die USA-Forscher ihre mögliche Rückkehr an Verbesserungen im deutschen Wissenschaftsbetrieb. Dafür ernten sie Verständnis, aber auch Kritik: Wer jahrelang von den Forschungsbedingungen in den USA profitiert hat, sollte keine überzogenen Forderungen stellen, die Kollegen nie hatten, beschwerte sich beispielsweise eine Wissenschaftlerin bei academics.de. Sei es drum: Seither ist die GSO für viele Redaktionen der erste Ansprechpartner, wenn es um den Brain Drain geht.

Dabei ist das Kerngeschäft der GSO die Vernetzung: Auf regelmäßigen Treffen an Ost- und Westküste kommen deutsche Wissenschaftler unter GSO-Organisation zusammen. Außerdem diskutieren die GSOler in einem Forum auf der Webseite, und bekommen regelmäßig in einem Newsletter Entscheidungen aus Deutschland zugeschickt.

Vernetzung EU und Amerika: ERA-Link

Die EU will mit ERA-Link (European Researchers Abroad Link) ähnliche Angebote wie GAIN schaffen. Geplant ist der Start des Netzwerks Anfang 2006. In der Planungsphase des Projekts führte die EU eine Online-Befragung von 1912 europäischen Wissenschaftlern in den USA durch. Dabei wurde deutlich, wie groß der Bedarf an Vernetzungsangeboten ist: 81 Prozent der Befragten wollten den Kontakt zu anderen europäischen Wissenschaftlern in den USA intensivieren, sogar 91 Prozent wollten den Kontakt zur europäischen Wissenschaftsszene vertiefen.

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