Spitzenforscher für die deutsche Wissenschaft

Juli 2013 Goethe Institut

Die deutsche Forschungslandschaft wird für ausländische Forscher attraktiver. Grund dafür sind Instrumente wie die renommierten Alexander-von-Humboldt-Professuren. Doch auch veränderte Bedingungen im Ausland spielen dem deutschen Wissenschaftssystem in die Hände.

Eigentlich hatte Alec Wodtke kaum mehr damit gerechnet, dass er in Deutschland forschen und arbeiten würde. Doch dann sah der Professor für physikalische Chemie eine gemeinsame Ausschreibung der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie. Alec Wodtke bewarb sich aus den USA – und wurde vor drei Jahren Professor an der Universität Göttingen. Gleichzeitig ist er beim Max-Planck-Institut Direktor der Abteilung "Dynamik an Oberflächen". Außerdem wurde Alec Wodtke mit der renommierten Alexander-von-Humboldt-Professur ausgezeichnet, bei der über den Zeitraum von fünf Jahren fünf Millionen Euro in seine Forschungsarbeit fließen.

"Das Angebot aus Göttingen war hervorragend", sagt Alec Wodtke, "die Arbeitsbedingungen, die ich in Göttingen vorfinde, sind sehr attraktiv." Dafür verließ er die University of California Santa Barbara, an der er zuvor viele Jahre gelehrt hatte. Allerdings gibt Alec Wodtke zu, dass ihn nicht allein die Professur nach Deutschland lockte: "Es gibt auch einen persönlichen Hintergrund." Vor über 25 Jahren war der Forscher schon einmal in Deutschland am Max-Planck-Institut für Strömungsforschung, damals lernte er auch seine Ehefrau kennen: "Und wir haben immer gesagt, dass wir irgendwann vielleicht wieder nach Deutschland ziehen, wenn es eine gute Möglichkeit gibt." Und die war mit diesem Angebot immerhin da.

In Göttingen erforscht er nun neue Theorien für die Bearbeitung von Materialien: "Wir stellen eine wichtige Basis der theoretischen Chemie in Frage", sagt Alec Wodtke. "Wir gehen davon aus, dass zwischen Elektronen und Atomen Umwandlungsprozesse stattfinden, die bisher so noch nicht bekannt waren." Erste Fortschritte und vorläufige Erfolge gebe es schon, aber es seien auch noch viele Fragen offen.

"Der höchstdotierte Forschungspreis Deutschlands"

Mit den Alexander von Humboldt-Professuren gelingt es also, gezielt Wissenschaftler im Ausland anzusprechen, die in ihrem Feld herausragende Leistungen erzielen: "Es handelt sich um den höchstdotierten Forschungspreis in Deutschland", sagt Georg Scholl, Sprecher der Humboldt-Stiftung. Das Besondere sei, dass die Professur nicht an ein Projekt gebunden ist, sondern gezielt an eine Person geht. Renommierte Forschungseinrichtungen wie die der Helmholtz-Gemeinschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft beteiligen sich gerne an den Nominierungen: "Die Professur ist aber vor allem dafür gedacht, die Universitäten zu stärken", sagt Georg Scholl. Seit 2009 werden die Humboldt-Professuren vergeben, bislang an 34 Forscher.

Dass es deutschen Universitäten gelingt, Spitzenforscher aus dem Ausland zu gewinnen, liegt aber nicht nur daran, dass das deutsche Wissenschaftssystem aufgeholt hat, sagt Sabine Jung, Geschäftsführerin der German Scholars Organization. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist es, deutsche Forscher aus dem Ausland in das deutsche Wissenschaftssystem zurückzuholen. Gerade wurde auch ein neues Programm aufgelegt, um medizinische Spitzenforscher aus dem Ausland zu gewinnen: "Durch die Finanzkrise haben sich die Forschungsbedingungen in den USA oder Großbritannien deutlich verschlechtert." Die Finanzierung sei längst nicht mehr so attraktiv wie einst, der Wettbewerb um Drittmittel habe zugenommen. Davon profitiere auch der Standort Deutschland.

Das hat auch Alec Wodtke gespürt, als er noch in Amerika gelehrt hat: "Der Finanzdruck ist an vielen US-amerikanischen Hochschulen ein großes Problem." Die staatliche Finanzierung sei zurückgefahren worden und auch Drittmittel ließen sich nicht mehr so einfach akquirieren. Deutschland sei da einen anderen Kurs gefahren: "Der Politik war wichtig, dass die Forschung gesund bleibt."

Es gibt auch noch Baustellen

Tatsächlich hat Deutschland viele Anstrengungen unternommen, um für Spitzenforscher aus dem In- und Ausland attraktiver zu werden. Leuchtturm-Projekte wie die Alexander von Humboldt-Professuren gehören ebenso dazu wie die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern, durch die herausragende Projekte und Ideen an deutschen Hochschulen gefördert werden, bis 2017 sind es 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte für universitäre Spitzenforschung, die sogenannten Elite-Universitäten. "Dadurch wurde ein neuer Spirit an deutschen Hochschulen geschaffen", sagt Sabine Jung.

Trotzdem gibt es auch noch viele Baustellen, etwa, was die Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses angeht. Viele junge Forscher hangeln sich von einem Zeitvertrag zum nächsten und arbeiten 40 Stunden in der Woche, obwohl sie nur eine Teilzeitstelle haben. Außerdem fehlen planbare Karrierewege. Lässt man sich auf das Abenteuer Wissenschaft ein, ist oft lange nicht klar, ob am Ende der Karriereleiter auch die begehrte Professur steht. Nachholbedarf sieht Sabine Jung auch in Dual Career-Fragen. Denn oft kommen Forscher nicht alleine, und auch für die Ehepartner muss es gute Perspektiven im neuen Land geben: "In den USA werden diese Fragen deutlich professioneller gelöst", sagt Sabine Jung.

Internationale Forscher zurückzuholen, könne dauerhaft nur gelingen, wenn man ihnen optimale Bedingungen biete. "Die finanzielle Ausstattung des Lehrstuhls muss stimmen. Und im Idealfall gibt man dem Forscher die Möglichkeit, sein eigenes Team mitzubringen." Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sei zudem der Beamtenstatus, den man in Deutschland mit einer Berufung erhält – und den viele Forscher schätzen. Denn es gibt kaum eine bessere Absicherung für eine berufliche Karriere.

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