Rückkehrprogramm fördert Informatikprofessor Ropinski

Januar 2015 B4B Baden-Württemberg

Ulm: Seit Studientagen verbindet Timo Ropinski Informatik mit den Lebenswissenschaften, und legte so frühzeitig den Grundstein für seine Karriere. Inzwischen leitet Professor Ropinski die Forschungsgruppe „Visual Computing“ an der Universität Ulm, in der er sich unter anderem mit der Darstellung medizinischer Daten beschäftigt.

Für seinen Umzug vom schwedischen Linköping in die Donaustadt ist auch das „Wissenschaftler-Rückkehrprogramm GSO/CZS“ der German Scholars Organization und der Carl-Zeiss-Stiftung verantwortlich. Timo Ropinski ist der dritte kluge Kopf, dessen Berufung von einer ausländischen Forschungseinrichtung an die Uni Ulm durch das Programm unterstützt wird. Er erhält über drei Jahre eine Förderung in Höhe von insgesamt 105.000 Euro.

„Menschen bauen ein ganz anderes Verständnis für Daten auf, wenn sie eine Visualisierung sehen“, sagt Professor Timo Ropinski vom Ulmer Institut für Medieninformatik. Der 38-Jährige arbeitet daran, umfangreiche Daten am Computerbildschirm so darzustellen, dass Nutzer in kürzester Zeit Relevantes herauslesen können. Eine seiner wichtigsten Zielgruppen sind Mediziner, die zum Beispiel anhand umfangreicher „volumetrischer“ Daten aus dem Magnetresonanztomographen (MRT) Diagnosen stellen müssen. Im Bereich Orthopädie beschäftigt sich Ropinski aktuell mit der visuellen Analyse zeitabhängiger Daten – wie sie zum Beispiel bei der Untersuchung von Bewegungsmustern des Knies anfallen.

Die Herausforderung: Umfangreiche zeitvariable Daten müssen von 4D auf 2D reduziert und am Rechner verständlich dargestellt werden. So kann der behandelnde Arzt die Dynamik des Knies vor und nach einer Operation beurteilen oder etwa zwei Patienten miteinander vergleichen. „Visualisierung ist angewandte Informatik und somit stark von Kooperationspartnern abhängig“, sagt der gebürtige Sauerländer Ropinski. In diesem Sinne fließen seine Forschungsergebnisse auch in die verbesserte Darstellung von Ultraschalldaten werdender Müttern ein oder sie erleichtern die Untersuchung einer Mumie im Computertomographen (CT). Im Bereich Biochemie arbeitet der Informatiker unter anderem an der aufwändigen Visualisierung dreidimensionaler Molekülstrukturen. Um die erforderliche Rechenleistung zu reduzieren, sind Abstraktionen nötig. Allerdings müssen Andockpunkte der Moleküle unverändert bleiben, denn nur so können zum Beispiel Wirkweisen von Arzneistoffen nachvollzogen werden.

An der Universität Ulm wird sich Timo Ropinski aber nicht nur mit der Erzeugung von Computergrafiken und Visualisierungen beschäftigen. Ihn interessiert zudem, wie Nutzer visuelle Darstellungen am Rechner wahrnehmen und interpretieren. Kurzum: Was macht eine gute Visualisierung aus? Dieser Frage wird er mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Institut für Psychologie und Pädagogik nachgehen. Im kontrollierten Experiment wollen die Forscher beispielsweise anhand von Aufgaben herausfinden, zu welchem Zeitpunkt und wie gut Studienteilnehmer eine Visualisierung verstanden haben.

Pressespiegel Archiv