Rückkehr nach Deutschland ist oft schwer

März 2014 Mittelbayerische Zeitung

Louisa Knobloch - Zu viele kluge Köpfe wandern ins Ausland ab, klagen Experten. Ein Großteil der Wissenschaftler würde gerne zurückkehren - wenn die Umstände passen.

BERLIN. Als seine australische Universität Dr. Ralf Wilden nach der Promotion einen unbefristeten Vertrag anbot, zögerte der deutsche Wissenschaftler. "Ich hatte ja vor, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren." Zu diesem Zeitpunkt war Wilden bereitsseit vier Jahren in Australien. Nach seinem BWL-Studium an der LMU München hatte er ab 2006 ein PhD-Studium an der University of Technology in Sydney absolviert. Um sich die Option der Rückkehr offenzuhalten, unterschrieb Wilden 2010 einen auf drei Jahre befristeten Vertrag als Postdoc Research Fellow. Heute lebt er noch immer in Australien und hat mittlerweile eine unbefristete Stelleals Lecturer an der University of Newcastle in Sydney angetreten.

So wie Ralf Wilden zieht es viele deutsche Wissenschaftler ins Ausland – und oft bleiben sie dort. In ihrem kürzlich vorgelegten Gutachten stellt die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) fest, dass mehr Forscher Deutschland verlassen als ins Land kommen. „Die Besten wandern ab, kehren aber nur selten nach Deutschland zurück. Sie verbleiben an attraktiven Forschungsdestinationen im Ausland“, schreibt die Kommission, die die Bundesregierung berät.

Die Gutachter hätten ihre Schlüsse anhand von Publikationen aus den Jahren 1996 bis 2011 gezogen, hieß es hingegen vom Bundesforschungsministerium. „Alle aktuellen Zahlen und Fakten deuten darauf, dass der Standort Deutschland zunehmende Anziehungskraft auf Wissenschaftler, Experten und Studierende ausübt“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Die Bundesregierung werde dafür arbeiten, dass es so bleibe.

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