Rückholaktion für schlaue Köpfe

April 2004 Kienbaum Consultants International GmbH

Die German Scholars Organisation unterstützt die Rückkehr der Forschungselite aus den USA

Sie sind jung, intelligent und erfolgreich – sie kommen aus Deutschland, aber leben und arbeiten in den USA. Wer als Nachwuchswissenschaftler Erfolg haben will, den zieht es ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Längst verspricht der Aufenthalt an einer amerikanischen Hochschule neben Ansehen und Prestige auch erfolgreiche Karriereaussichten. Bleibt den jungen Wissenschaftlern die Hochschullehrerlaufbahn in Deutschland oftmals durch starre Hierarchien, Beförderungs- und Vergütungskriterien versperrt, so schenkt die USA den jungen Berufseinsteigern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und lockt mit modernen Forschungslandschaften sowie reizvollen Vergütungsstrukturen.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass bis zu 14 Prozent der an deutschen Universitäten promovierten Natur- und Ingenieurwissenschaftler ihre Karriere zeitweise oder gar auf Dauer in den USA fortsetzen. Pro Jahr sind im Durchschnitt mehr als 1.000 deutsche Nachwuchswissenschaftler mit Stipendien deutscher Förderorganisationen in den USA. Etwa ein Viertel bis ein Drittel von ihnen bleiben auch nach Abschluss ihres Förderungszeitraums im amerikanischen Exil. Damit stellen die deutschen Hochschulen - neben den chinesischen und japanischen – das drittgrößte Kontingent promovierter Absolventen, die als „Post-Docs“ in den USA tätig sind. Brain Drain at its best! Denn in der Regel sind es die Besten der Besten, die es aus Deutschland wegzieht. In den Vereinigten Staaten erbringen sie nicht nur richtungweisende Forschungsleistungen, sondern erwerben wichtige organisatorische und kulturelle Kompetenzen. Fähigkeiten, die auch in der deutschen Wissenschafts- und Unternehmenslandschaft gefragte Skills sind: ein bisher kaum beachteter Talent-Pool – leider auf der falschen Seite des Ozeans.

Brain gain, statt brain drain

Für Dr. Wolfgang Benz, Leiter Personal Schering AG, ist diese Erkenntnis nichts neues. Seit Jahren beschäftigt ihn das Phänomen des Know-how-Verlusts. Für den Personalentwickler des global ausgerichteten Pharmakonzerns ist die Rekrutierung deutscher Nachwuchswissenschaftler in den USA eine Selbstverständlichkeit. Gelehrt haben ihn seine Aufenthalte in den USA sowie der persönliche Austausch mit den jungen Spitzenkräfte, dass es trotz vermeintlich unschlagbar besserer Bedingungen an den Hochschulen auch dort eine Vielzahl rückkehrwilliger Deutscher gibt. Zwar hat der amerikanische way of life für viele durchaus seinen Reiz, aber für immer möchten nur Wenige bleiben. Den Großteil zieht es nach zwei bis drei Jahren zurück in die Heimat. Zumal die Forschungslandschaft der deutschen Industrie in punkto Attraktivität und Ausstattung durchaus mit der amerikanischen konkurrieren kann. Allein, es fehlt der Lockruf, denn Netzwerke für den Informationsaustausch zwischen jungen Forschern im Exil und deutschen öffentlichen und privaten Arbeitgebern gab es bis dato kaum.

„Nach ein paar Jahren im Ausland sind die Kontakte oftmals eingeschlafen, der deutsche Arbeitsmarkt erweist sich aus der Ferne betrachtet als wenig transparent und vielfach mangelt es einfach an einschlägigen Bewerbungserfahrungen, um eine adäquate Stelle zu finden. Herausforderungen, die man zugleich als postulierten Weg hin zum brain gain, anstatt des viel bejammerten brain drain begreifen kann“, so Dr. Wolfgang Benz. Die Idee der Initiative war geboren und zusammen mit Prof. Eicke R. Weber, UC Berkeley, Präsident der Alexander-von-Humboldt-Association of America, Hans Niebergall Vertreter des European-American Chamber of Commerce und Eckhard Schröter Professor des Deutschen Akademischen Austauschdiensts der University of California gründete er im März 2003 in San Francisco und im Februar 2004 in Berlin die German Scholars Organization (GSO.

Get together and get back

Die GSO ist eine gemeinnützige Organisation, die sich in erster Linie als Dienstleister für deutsche Wissenschaftler im Ausland versteht. Ihr Ziel ist es einerseits die Netzwerkbildung der deutschen Nachwuchswissenschaftler, insbesondere Naturwissenschaftler, in Nordamerika zu fördern und andererseits die Chance zu deren (Rück-)Bindung an den deutschen Forschungs- und Arbeitsmarkt zu erhöhen. Mit dieser Ausrichtung ist die GSO ein wichtiger Partner für die deutsche Wissenschafts- und Forschungspolitik. Die GSO hat in einem ersten Schritt eine Website mit integrierter Jobbörse erstellt. Nur einen Klick weit voneinander entfernt können interessierte Nachwuchswissenschaftler und potentielle Arbeitgeber aus Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen miteinander in Kontakt treten. Schon jetzt hat die GSO mehr als 400 Jungakademiker in ihrer Datenbank registriert. Regelmäßig aktualisierte Informationen, die Möglichkeit eigene Websites zu erstellen sowie ein Chatroom zum Erfahrungsaustausch runden das Angebot ab.

Aber nicht nur virtuell, auch im real life bietet die GSO eine Plattform. Jährlich finden zwei regelmäßige Treffen der deutschen Nachwuchswissenschaftler in den USA statt; das eine an der Ost-, das andere an der Westküste. Die erste Veranstaltung, die in enger Kooperation mit den Förderorganisationen in Deutschland im kalifornischen Palo Alto stattfand, zeigte vor allem eins: Die Nachfrage ist da. Insgesamt nahmen über 130 Postdocs teil, die nicht nur den Austausch mit anderen Nachwuchswissenschaftlern suchten, sondern auch den persönlichen Kontaktaufbau zu deutschen Industrieunternehmen und akademischen Institutionen als potentielle Arbeitgeber.

The first impression counts

Der erste Eindruck ist entscheidend. Doch vielfach mangelt es gerade den Jungforschern an der nötigen Erfahrung und dem aktuellen Wissen über erfolgsversprechende Bewerbungsstrategien. Mit der Unterstützung von Kienbaum möchte die GSO hier Abhilfe schaffen und einen zielgerichteten Beitrag zur Reintegration leisten. Gemeinsam haben die Kooperationspartner bereits ein erstes Maßnahmenpaket geschnürt, das Vorträge über die Situation und Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes sowie professionelle Beratung und Betreuung von persönlichen Bewerbungs- und Karrierestrategien umfasst. Unter der Leitung von Sascha Gechter bietet Kienbaum Management Consultants den interessierten Nachwuchswissenschaftlern in den USA direkt vor Ort Coachings und Workshops zur Karriereplanung. „Wenn es um die Besetzung interessanter Positionen geht, muss die deutsche Industrie den Vergleich mit den US-Firmen nicht scheuen, denn für begabte Forscher ist auch hier Hochkonjunktur. Vor diesem Hintergrund verstehen wir uns auch als Mittler zwischen Unternehmen und Rückkehrern mit dem Ziel eine Win-Win-Situation zu schaffen“, so Dr. Sörge Drosten von Kienbaum Executive Consultants.

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