Rückenwind für Rückkehrer

Juli 2015 StiftungsWelt

Das Wissenschaftler-Rückkehrprogramm GSO/CZS
Eine gemeinsame Initiative der German Scholars Organization e.V. und der Carl-Zeiss-Stiftung

von Dr. Sabine Jung, Geschäftsführerin der GSO

Von Berkeley nach Kaiserslautern, von Harvard nach Ulm, von Waterloo nach Jena: drei Karrierewege junger deutscher Professorinnen und Professoren, die aufhorchen lassen. Denn fast haben wir uns an die Gegenbewegung gewöhnt, an den viel zitierten „Braindrain“ deutscher Spitzenforscher, die ihre Karriere etwa in den weltweit führenden Laboren des MIT oder inmitten von 22 Nobelpreisträgern im sonnigen Stanford fortführen.

Der Wettbewerb um die besten Köpfe wird längst global geführt – und nicht immer haben Deutschlands Universitäten dabei die besten Karten. Einige strukturelle Schwächen des deutschen Wissenschaftssystems, allen voran die Unsicherheit der Karrierewege für Nachwuchswissenschaftler, haben trotz aller Reformbemühungen noch Bestand und führen zu einer fortgesetzten Abwanderung der allerbesten Köpfe.

Um die heimischen Universitäten in diesem globalen Wettbewerb zu stärken, haben die Carl-Zeiss-Stiftung und die German Scholars Organization e.V. (GSO) im Jahr 2013 gemeinsam das Wissenschaftler-Rückkehrprogramm GSO/CZS ins Leben gerufen. Gefördert werden damit – in den MINT-Fächern und der BWL – Berufungen von deutschen Spitzenwissenschaftlern, die seit mindestens zwei Jahren im Ausland tätig sind. Manches dieser Berufungsverfahren droht zu scheitern, weil die notwendige Ausstattung zur Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit in Deutschland von der berufenden Hochschule nicht finanziert werden kann. Hier soll das Programm helfen. Je Professur stehen bis zu 125.000 Euro zur Verfügung. Entscheidend ist dabei, dass diese Mittel von den antragsberechtigten Universitäten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen flexibel verwendet werden können. Damit kann die Hochschule ein auf den Bedarf des Kandidaten zugeschnittenes Angebot vorlegen. So kann etwa ein dringend benötigtes Spektrometer beschafft oder eine zusätzliche Postdoc-Stelle eingerichtet werden. Aber auch Gehaltsunterschiede lassen sich auf diese Weise temporär ausgleichen. Für die geförderten Kandidaten ist dies nicht nur ein Stück erlebbare Willkommenskultur, sondern häufig auch die Voraussetzung dafür, zügig und ohne Effizienzverluste ihre Forschungstätigkeit in Deutschland fortführen zu können.

Die Universitäten wiederum erhalten durch die Berufungen aus dem Ausland einen signifikanten Internationalisierungsschub. Denn Rückkehrer bringen ein lebendiges weltweites Netzwerk mit, regen internationale Kooperationen an und ziehen ausländische Kollegen nach – Rückenwind also nicht nur für Rückkehrer, sondern auch für die Universitäten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen, die von der unbürokratischen Fördermöglichkeit regen Gebrauch machen.

Rund zwei Jahre nach Programmstart konnten so bereits zehn Professorinnen und Professoren aus dem Ausland für den Wissenschaftsstandort Deutschland gewonnen werden. Erfreut über diesen Erfolg hat die Stiftungsverwaltung der Carl-Zeiss-Stiftung im Frühjahr 2015 beschlossen, das Programm mit weiteren Mitteln auszustatten und in den kommenden Jahren fortzuführen.

Die operative Durchführung des Programms hat die Carl-Zeiss-Stiftung der in Berlin ansässigen German Scholars Organisation (GSO) anvertraut. Die GSO managt dabei nicht nur den kompletten Antrags- und Begutachtungsprozess, sie ist auch zentraler Ansprechpartner für die Universitäten und unterstützt diese bei der weltweiten Ausschreibung von Stellen. Die Entscheidung über eine Förderung wird auf der Grundlage der Begutachtung getroffen. Über die Art und Höhe der Förderung stimmen sich GSO und Carl-Zeiss-Stiftung ab. Die Carl-Zeiss-Stiftung kann förmlich gegen einen Fördervorschlag Einspruch erheben; dazu ist es jedoch bisher nicht gekommen. Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit wird – davon gehen die beiden Partner aus – auch in Zukunft dafür sorgen, dass Karrierewege junger Spitzenforscher noch häufiger eine neue Richtung nehmen: zurück nach Hause.

Pressespiegel Archiv