Die neue Lust auf die alte Heimat

Oktober 2013 Deutsche Welle

Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt lockt viele Auswanderer zurück nach Deutschland. Das macht Schlagzeilen. Aber mit einer Rückkehrerwelle hat es noch nichts zu tun.

Als Philipp Mayer-Kuckuk nach New York auswanderte, hieß der deutsche Bundeskanzler noch Helmut Kohl, die Arbeitslosenzahl lag bei über 11 Prozent und die deutschen Hochschulen galten als Forschungswüsten. Für den jungen Biomediziner aus Bonn war das Jobangebot des renommierten Hospital for Special Surgery in New York die Chance seines Lebens. Jetzt, 15 Jahre später, kehrt Philipp Mayer-Kuckuk zurück nach Deutschland, an die Technische Universität München. Und wieder hat er große Erwartungen: "Als ich die Ausstattung der Labore gesehen habe, da wurde schon klar, dass wir New York nicht mehr nachstehen."

Philipp Mayer-Kuckuk ist einer von rund 120.000 Deutschen, die vor Jahren ausgewandert sind und in diesem Jahr nach Deutschland zurückkehren. Seit 2008 nimmt die Zahl der Auswanderer aus der Bundesrepublik Jahr für Jahr leicht ab, derzeit liegt sie bei etwa 130.000, während gleichzeitig jedes Jahr mehr Menschen nach Deutschland zurückkommen. Viele Zeitungen sprechen bereits von einer Trendwende, preisen die wiedergefundene Attraktivität des deutschen Arbeitsmarktes und feiern das neue deutsche Heimatgefühl.

Thomas Liebig, Migrationsexperte bei der OECD, kennt viele solcher Artikel. Er wird darin gerne als Kronzeuge zitiert - und gerne etwas missverstanden, wie er sagt: "Es wandern derzeit in der Tat weniger Leute aus als früher, aber bei der Rückwanderung sehen wir keinen sehr starken Trend." Auch Sabine Jung von der German Scholars Organization, die deutsche Akademiker im Ausland betreut und ihnen bei der Rückkehr hilft, hält die These von der Heimkehrerwelle für grob überzeichnet: "Aus Sicht der German Scholars Organization weisen die Zahlen nicht auf eine Trendwende hin, nach wie vor gibt es deutlich mehr Auswanderer als Rückkehrer."

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