Die Forscher kehren zurück

Februar 2013 Handelsblatt Düsseldorf

Dank üppiger Förderprogramme zieht es deutsche Wissenschaftler in die Heimat.

Christian Henneberger erinnert sich genau an den Moment, als er das erste Mal in seinen eigenen, leeren Laborräumen stand. „Mit dem sprichwörtlichen Batzen Geld in der Tasche freute ich mich darauf, alles mit Geräten auszurüsten“, sagt der Juniorprofessor von der Universität Bonn. 1,25 Millionen Euro kann Henneberg bis 2015 ausgeben. Das Geld aus dem NRW-Rückkehrerprogramm soll Nachwuchsforschern, die wie der junge Neurowissenschaftler länger im Ausland geforscht haben, die Heimkehr nach Deutschland schmackhaft machen. „Ich bin dem Geld für mein eigenes Labor hinterhergezogen“, sagt der 38-jährige Berliner freimütig über seine Entscheidung für Nordrhein-Westfalen: „Bei der experimentellen Arbeit ist es wichtig, dass man das Geld flexibel verwenden kann. Dafür eignen sich Rückkehrerprogramme hervorragend.“ Vor seiner Rückkehr hat er sechs Jahre auf einer Post-Doc-Stelle am University College in London gearbeitet.

Die Bedingungen für rückkehrwillige deutsche Forscher werden immer besser. Auch Bayern hat 2012 das Programm „Return to Bavaria“ aufgelegt, das Karriereberatung bietet und bei der Jobsuche hilft. Darüber hinaus sind bei vielen Forschungsinstitutionen Rückkehrerprogramme Bestandteil der Stipendiaten-Förderung.

Und gemeinsam betreiben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Humboldt-Stiftung das German Academic International Network (GAIN), in dem sich bereits 4.500 Forscher vernetzt haben, um von interessanten Stellen in Deutschland zu erfahren.

Viele dieser deutschen Akademiker werden sich ab morgen für drei Tage auf der European Career Fair – der größten Messe dieser Art in den USA – auf dem Campus des renommierten MIT in Boston über Karriereoptionen in Europa informieren. 4.000 Besucher erwarten die Veranstalter, etliche führen bereits Vorstellungsgespräche mit neuen Arbeitgebern. 29 Großunternehmen, die wichtigsten Hochschulen und europäische Institutionen werben um die besten Köpfe der amerikanischen Hochschulen: BASF, Continental, SAP und Siemens werden da sein, genauso wie die EU-Kommission, das Auswärtige Amt, die Fraunhofer Gesellschaft, die Freie Universität Berlin, die LMU München, das Karlsruhe Institut für Technologie oder die Max-Planck-Gesellschaft.

„Deutschland und die anderen europäischen Länder werden auch für Nicht-Europäer immer interessanter“, sagt Gain-Programmleiter Gerrit Rößler. Karrieren in Forschung und Entwicklung würden der bislang so beliebten Laufbahn im US-Wissenschaftsbetrieb große Konkurrenz machen. Laut einer Studie, die Gain jüngst veröffentlichte, kehren mehr als zwei Drittel der deutschen Forscher aus den USA nach Deutschland zurück. Das sind überraschend viele. Lange wurde der sogenannte „Brain drain“ gefürchtet – dass deutsche Wissenschaftler sich in den Vereinigten Staaten ganz wohlfühlen und der Heimat dauerhaft verloren gehen.

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