Deutschland zahlt für Rückkehrer

Oktober 2013 NZZ am Sonntag

Beratungsveranstaltungen und Prämien bis 100.000 Euro für deutsche Hochqualifizierte.

Neuerdings werden in der Schweiz lebende Deutsche umworben von Organisationen, die Hilfe zur Rückkehr nach Deutschland versprechen. Vier Professoren wurden im vergangenen Jahr gegen eine Geldprämie bereits erfolgreich abgeworben.

Drei Professorinnen und einen Professor hat die German Scholars Organization (GSO) mit Sitz in Berlin letztes Jahr von Schweizer Universitäten abgeworben. Die Namen werden nicht preisgegeben. Nur so viel verrät Geschäftsführerin Sabine Jung: "Einer war vorher an der Universität Basel tätig, einer an der ETH Zürich, zwei an der Universität St. Gallen." Die gemeinnützige Organisation handelt im Auftrag von deutschen Universitäten, finanziert wird sie zu einem Grossteil von bildungsnahen Stiftungen wie der Krupp-Stiftung. Bis zu 100.000 Euro Prämie hat die Organisation den Professoren geboten. Das ist wichtig, weil die deutschen Universitäten bei ihren Angeboten oft nicht mithalten können mit den vergleichsweise finanzkräftigen Schweizer Unis. "Die Prämie kann zum Beispiel investiert werden in die Forschungs-Ausrüstung", sagt Jung. Die Prämie werde jedoch auch als Gehaltsaufbesserung an die Professoren ausbezahlt.

Neu hat die GSO ihr Wirkungsfeld vom akademischen Personal für die Unis auf die Gewinnung von hochqualifizierten Fachkräften für die Wirtschaft ausgedehnt. Im Auftrag des bayrischen Wirtschaftsministeriums organisiert die GSO die Kampagne "Return to Bavaria" und hat dazu vor einem Jahr einen Ableger in München gegründet. Ziel ist, den Fachkräftemangel in Bayern zu bekämpfen und dazu vor allem ans Ausland verlorene Talente zurückzugewinnen. Dabei steht die Schweiz speziell im Visier. Am kommenden Dienstag findet in Zürich im Zunfthaus zur Meisen der erste "Bayrische Abend" mit Weisswurst und Bier statt. Im Zunftsaal könnte es eng werden, denn es sind gemäss Veranstaltern schon über hundert Anmeldungen eingegangen. Der Anlass soll im Oktober wiederholt werden, und für nächstes Jahr ist ein Rükkehrer-Symposium in der Schweiz geplant, wie Kerstin Dübner-Gee sagt, die das GSO-Büro in München leitet. "Wir wollen Rückkehr-Interessierte dazu motivieren, sich mit uns in Verbindung zu setzen und sich aktiv bei der Rückkehr unterstützen zu lassen", erklärt sie. Gefragt sind dabei vorwiegend Fachkräfte aus den sogenannten Mint-Berufszweigen wie Ingenieurwissenschaften und Informatik, aber auch Mediziner.

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