Deutsche verlassen die Schweiz: Alles halb so wild

Oktober 2013 swissinfo.ch

Es hört sich an wie das Klagelied nach Liebesentzug: "Die Deutschen kehren heim", schrieben Schweizer Zeitungen kürzlich. Doch die Zuwanderung von Deutschen hat sich lediglich abgeschwächt. Noch immer kommen mehr in die Schweiz, als heimkehren. Spezielle deutsche Programme wollen Landsleute zurücklocken.

von Christian Raaflaub

Es gibt Weisswurst, Bier und Brezeln. Doch der Schein trügt; zwar werden mittlerweile überall auf der Welt Oktoberfeste nach bayrischem Vorbild gefeiert, doch ausser diesen drei Zutaten hat die seriöse Veranstaltung im Zürcher Zunfthaus zur Meisen Anfang Oktober keine weiteren Gemeinsamkeiten mit dem feuchtfröhlichen Münchner Original.

Den Veranstaltern von "Return to Bavaria" ist es bitter ernst mit ihrem Anliegen, bayrische Fachkräfte zurück in den Freistaat zu holen. Eine der Stationen der weltweit angelegten Aktion ist auch die Schweiz.

"Sie werden dringend benötigt", ruft Projektleiterin Monika Wilhelm in den Saal. "Wir haben Fachkräftemangel", und der werde in Zukunft noch zunehmen. "Da besinnt man sich jeglicher Ressource." Das Ziel sei, die besten Köpfe weltweit wieder zurück nach Bayern zu holen. Geld wird bei diesem Programm keines geboten, dafür unter anderem Karriereberatung und Hilfe bei der Wiederansiedelung.

"Mich überzeugt, mit welcher Ehrlichkeit hier geworben wird", sagt ein 52-jähriger Bayer aus der Beratungsbranche nach der Veranstaltung. Er sei aus reiner Neugier gekommen, habe aber nicht vor, die Schweiz zu verlassen, betont er.

Die Aktion des Bayrischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie wird von der "German Scholars Organization" (GSO) durchgeführt, die bereits auf eine zehnjährige Erfahrung im Bereich der Rückführung von Akademikern zurückblicken kann.

"Sehr, sehr viele" hätten den Wunsch, zurückzukehren, sagt Sabine Jung von der GSO. Bisher hat die Organisation für deutsche Universitäten akademisches Personal im Ausland rekrutiert. So konnte sie auch Professoren aus der Schweiz abwerben – mit lukrativen Angeboten. Bei "Return to Bavaria" konzentriere man sich nun "ausdrücklich auf die Wirtschaft".

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