An die "lieben deutschen Wissenschaftler"

Oktober 2005 Süddeutsche

Zur Rückkehr ermuntert: Bildungsministerin Bulmahn antwortet auf einen Brief deutscher Forscher im Ausland.

Von fine/tvs

Die Antwort kam rasch. Ende vorletzter Woche schickten mehr als 350 deutsche Nachwuchsforscher, die derzeit in den USA arbeiten, einen Brief an Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und die Wissenschaftsminister der Länder. Tenor des Schreibens, das auf Initiative der German Scholars Organization (GSO) entstand: Man sei bereit, in die Heimat zurückzukehren, doch müssten sich dafür hierzulande die Arbeitsbedingungen für junge Forscher erheblich verbessern. Nun hat Bulmahn zurückgeschrieben - auch deshalb vielleicht so schnell, weil ungewiss ist, wie lange die Ministerin überhaupt noch im Amt ist.

In einer dreiseitigen Antwort ermuntert die Ministerin nun die "lieben deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler" zur Rückkehr. In Deutschland würden sie zwar "kein gemachtes Nest" vorfinden, wohl aber eine "Hochschul- und Forschungslandschaft im Aufbruch". In der Sache gibt Bulmahn den Jungforschern Recht: Die Juniorprofessur müsse aufgewertet werden, erfolgreiche Kandidaten sollten Aussicht auf unbefristete Übernahme haben (tenure track); und die Hochschulen müssten besser ausgestattet werden. Der Bund habe schon vieles unternommen, was aber nicht immer den erhofften Erfolg gehabt habe, sei es wegen Widerstands aus den Ländern oder der Rechtsprechung des Verfassungsgerichts. So bleibe noch viel zu tun, unterstreicht Bulmahn und schlägt eine Konferenz des Ministeriums mit Vertretern der Auslandswissenschaftler, der Bundesländer und der Wirtschaft vor.

"Ich freue mich, dass wir jetzt auch ganz oben im Ministerium wahrgenommen werden", sagt Eicke Weber, deutscher Professor in Berkeley und Präsident der GSO. Ziel seiner Organisation sei es, das Hochschulsystem von außen in Bewegung zu bringen. Wenn Bulmahn die Juniorprofessur stärken wolle, sei dies ein gutes Signal. Darüber hinaus sei aber die Praxis der Berufungsverfahren insgesamt reformbedürftig, mahnt Weber. Anders als in den USA seien Verfahren in Deutschland leider "nicht sicher gegen Seilschaften".

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