Auf der Autobahn des Lebens

August 2018 duz Wissenschaft & Management

Auf der Autobahn des Lebens 

Anne Schreiter setzt sich für junge Wissenschaftler ein, verschafft ihnen Gehör und berät sie. Ihre eigene Karriere nahm an der University of California (Berkeley) die entscheidende Wendung.

Von Ingrid Weidner 

Von der Promotion bis zur Professur rasen viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durchs Leben. Sie hetzen von einer Postdoc-Stelle zum nächsten Projekt, publizieren wie die Weltmeister und versuchen, eine Professur zu ergattern, um die Früchte harter Arbeitsjahre zu ernten. Doch nur wenige schaffen diesen Schritt. „Nur etwa 19 Prozent der Promovierten unter 45 arbeiten in Deutschland an einer Hochschule. Die Wissenschaft ist eigentlich der alternative Karriereweg“, sagt Dr. Anne Schreiter, Geschäftsführerin der German Scholars Organization (GSO) in Berlin und ergänzt: „Aber die Expertise der Hochqualifizierten wird auch in der Wirtschaft dringend gebraucht.“

Schreiter selber versteht sich als Lobbyistin von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Mit dem Verein GSO in Berlin setzt sie sich für sie ein, da Wissenschaftler ihrer Meinung nach zu wenige Fürsprecher haben. Deshalb berät das GSO-Team Forschende in Karrierefragen und legt unterschiedliche Programme für junge Wissenschaftler auf. Außerdem koordiniert der Verein ihre weltweite Vernetzung. Über sogenannte Stammtische bringt die GSO Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler miteinander ins Gespräch. Sie treffen und vernetzen sich an mehr als 51 Hochschul-Stammtischen weltweit.

Da Anne Schreiter selber im Ausland gelebt hat, kennt sie einige der Fragen von Expats aus eigener Erfahrung. Auch wenn sich die meisten Forscherinnen und Forscher im Ausland wohlfühlen, möchten einige wieder nach Deutschland zurück – etwa, weil ihre Kinder hierzulande eine Schule besuchen sollen oder weil sie selber wieder näher bei den eigenen Eltern oder Freunden leben möchten. Schreiter und ihr Team beraten aber auch internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die hierzulande Fuß fassen möchten.

Gemeinsam mit drei Kolleginnen managt Schreiter die Geschäftsstelle der GSO in Berlin, wirbt Gelder für die angebotenen Programme mit Wissenschaftlern ein. Auch die eigenen Gehälter muss das GSO-Team refinanzieren. „Ich habe in meiner Arbeit sehr viel Flexibilität, kann Ideen schnell umsetzen und schätze meine Freiheiten“, schwärmt Schreiter. Allerdings erhalten alle GSO-Angestellten nur befristete Verträge. „Mehr Flexibilität heißt aber gleichzeitig auch weniger Sicherheit“, sagt Schreiter. Doch die 34-Jährige kann sich in ihrer Arbeit als Wissenschaftsmanagerin für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einsetzen, eine Aufgabe in die „viel Herzblut fließt“, wie sie betont.

Ihre eigene wissenschaftliche Karriere verfolgt Anne Schreiter seit einigen Jahren. Nach dem Soziologie- und Politik-Studium in Berlin zog es sie zunächst für ein Jahr nach China, anschließend promovierte sie in Organisationssoziologie an der Universität St. Gallen. Während dieser Zeit sammelte sie auch erste Berufserfahrungen im Wissenschaftsmanagement an der Universität. Mit einem Stipendium des Schweizer Nationalfonds ausgestattet, wechselte sie als Postdoc an die University of California nach Berkeley.   

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