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„Man muss etwas investieren, um in Deutschland nicht in Vergessenheit zu geraten“

Rückkehrer-Interview mit Prof. Dr. Jochen Mattner, University of Chicago
Interview als PDF-Dokument.

Prof. Dr. Jochen Mattner lebte und arbeitete von 2003 bis 2010 in den USA. Er absolvierte seinen Postdoc an der im Departement of Pathology. Zuletzt war er am Cincinnati Children's Hospital in der Abteilung für Immunologie tätig. Außerdem hat er die GSO-Stammtisch-Treffen für Cincinatti und Chicago organisiert. Derzeit ist er Professor für Molekulare Mikrobiologie und Infektionsimmunologie am Mikrobiologischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg.


GSO: Herr Mattner, warum sind Sie ins Ausland gegangen?
JM: Ich bin vor sieben Jahren in die USA gegangen, um dort meinen Postdoc zu machen, eine andere Sprache zu vertiefen und neue Methoden zu lernen. Ich war zunächst an der University of Chicago und dann in Cincinnati in einem eigenen Labor tätig.

Seit wann sind Sie wieder in Deutschland?
JM: Ich bin erst seit ein paar Wochen wieder in Deutschland.

Können Sie ihre Aufgaben hier kurz beschreiben?
JM: Ich arbeite am Mikrobiologischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg und meine Aufgaben lassen sich grob mit den Worten Forschung, Lehre und Patientenversorgung umreißen.

Auf welchem Weg haben Sie die neue Stelle gefunden?
JM: Ich habe immer wieder in den einschlägigen Internetforen geschaut, außerdem im „Deutschen Ärzteblatt“ und dort habe ich meine aktuelle Stelle gefunden. Außerdem hatte ich die gesamte Zeit über, die ich in den USA verbracht habe, immer guten Kontakt nach Deutschland. So habe ich von Kollegen oder Bekannten immer wieder Stellenhinweise bekommen.

Was war für Sie ausschlaggebend, nach Deutschland zurück zu kehren?
JM: Ich bin zum einen zurück genommen, weil ich hier wieder ärztlich tätig sein kann. In den USA hätte ich von der Forschungslehre zurücktreten müssen und erst ein bis zwei Jahre Klinik machen müssen, weil die Abschlüsse aus Deutschland nicht anerkannt werden. Ich habe zwar die amerikanischen Examen gemacht, aber hätte trotzdem mit dem Assistenzarzt anfangen müssen, das war für mich uninteressant. Zum anderen ist das wissenschaftliche Umfeld in Erlangen sehr interessant. Die Kollegen in Erlangen sind außerdem besser ausgebildet und hinterfragen kritischer, das erleichtert es ungemein, ein Labor in Deutschland aufzubauen. Die beruflichen Perspektiven in Deutschland sind sehr gut, d.h. mir war es wichtig, eine gesicherte Stelle zu habe, gerade wenn man eine Familie und kleine Kinder hat.

Für Sie war es also von Anfang an klar, dass Sie wieder nach Deutschland kommen?
JM: Ja, für mich hat es festgestanden, dass ich nach Deutschland zurück wollte. Allerdings habe ich in den USA meine Frau kennengelernt und wir haben dann zusammen überlegt. Letztendlich haben wir uns aber dann für einen Umzug nach Deutschland entschieden, da für unsere Kinder der Kindergarten und das Schulsystem in Deutschland wesentlich kostengünstiger und besser sind. Auch entscheidend war die bessere Lebensqualität, die man in Deutschland hat. Darüber hinaus gibt es sehr gute Freizeitmöglichkeiten, zum Beispiel ein differenziertes Angebot an Kultur mit einem entsprechenden Umfeld. Mit Umfeld meine ich Dinge wie, dass man nachts sicher durch die Straßen laufen kann.

Wie haben Sie die Eingewöhnung in die deutsche Universitätsstruktur erlebt?
JM: Die Universität Erlangen-Nürnberg ist auch die Universität an der ich studiert habe, bevor ich in die USA gegangen bin, deshalb war es eher eine Rückkehr nach Hause als ein Eingewöhnen. Mein Freundeskreis ist auch noch in Erlangen und auch das Netzwerk, das ich immer in Deutschland gehabt habe, hilft mir dabei, dass ich gute Forschung machen und mich weiterentwickeln kann.

Welche Unterstützung haben Sie bei Ihrer Rückkehr erfahren?
JM: Die Universität Heidelberg hat mich hinsichtlich einer Wohnung und bei der Suche nach einem Kindergartenplatz unterstützt. Außerdem gab sie Hinweise für nötige Behörden- und Amtsgänge. Das Labor in dem ich arbeite, ist außerdem hervorragend ausgestattet.

In welcher Hinsicht unterscheidet sich das deutsche und amerikanische Universitätssystem voneinander?
JM: Sowohl in Deutschland als auch in den USA hatte und habe ich einen sehr gut ausgestatteten Arbeitspatz und Laborräume zur Verfügung. Der Hauptunterschied ist vor allem die Menge an Wissenschaftlern. Dort arbeiten 40 bis 50 Leute an demselben Thema. Das hat einerseits Vorteile, wenn man unterschiedliche Methoden ausprobieren will und dann mit einem Kollegen zusammen arbeiten kann. Der Kollege kann aber auch ein Konkurrent sein, so dass es schwieriger mit der Zusammenarbeit werden kann. In Deutschland empfinde ich das System insgesamt kollegialer.

Wie international ist das Institut an dem Sie arbeiten?
JM: In unserer Arbeitsgruppe sprechen wir deutsch, allerdings kommen in den nächsten Wochen einige Mitarbeiter aus den USA dazu, so dass wir Englisch sprechen werden. Bei den Forschungsbesprechungen sprechen die Teilnehmenden bereits Englisch.

Was sollte sich Ihrer Meinung nach ändern, damit der Standort Deutschland für Spitzenwissenschaftler wieder interessant wird?
JM: Ich finde, dass der Standort Deutschland für Spitzenwissenschaftler gar nicht so uninteressant ist. Nachteilig in Deutschland sind sicherlich die administrativen Hürden, die man überwinden muss. Außerdem werden viele Wissenschaftler innerhalb der klinischen Forschung nicht freigestellt, das heißt die Patientenversorgung wird zum Hauptberuf und die Forschung zu einem Abendvergnügen. Ich habe glücklicherweise den Vorteil, dass ich in einem klinisch-theoretischen Institut arbeite, in dem ich zwar ärztlich tätig bin, mich aber trotzdem auf die Forschung konzentrieren kann. Eine Separierung dieser beiden Aufgaben wäre sicherlich von Vorteil.

Welche positiven Veränderungen in Ihrem beruflichen Alltag in Deutschland erleben Sie?
JM: Für mich persönlich war der Standort Deutschland ideal, da ich verschiedene Möglichkeiten miteinander verbinden konnte: die ärztliche Tätigkeit mit der Forschung. Die Universität Erlangen hat, was die Forschung betrifft, ein relativ großes Einzugsgebiet. Ich habe aslo ein sehr großes Patientenkollektiv. Außerdem gibt es an der Universität viele unterschiedliche Studiengänge, so dass ich sehr gut Studenten für eine Doktorarbeit im Labor gewinnen kann. Diese haben dann verschiedene wissenschaftliche Hintergründe, zum Beispiel Molekularmediziner, Pharmazeuten, Biologen, Humanmediziner, etc. Ich finde daran besonders interessant, dass man aus so einem breiten Spektrum an unterschiedlichen Forschungsmethoden, die Studenten und Wissenschaftler rekrutieren kann.

Welche Empfehlungen möchten Sie anderen Rückkehrern mit auf den Weg geben?
JM: Das wichtigste ist tatsächlich, dass man sein Netzwerk in Deutschland aufrechterhält und pflegt, so dass man immer Ansprechpartner hat. Die GSO hat in dieser Hinsicht ja schon eine hervorragende Plattform geschaffen und kommt Wissenschaftlern im Ausland sehr entgegen bei einer geplanten Rückkehr, unter anderem auch durch die Veranstaltungen in den USA. Man muss etwas investieren, dafür bin ich im Jahr ein bis zweimal in Deutschland gewesen. Während ich in den USA war, habe ich immer wieder entsprechende Fachkongresse besucht, die hier von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie veranstaltet werden, so dass ich in der Fachwelt nicht in Vergessenheit gerate. Hat man sich dann für eine Rückkehr entschieden, sollte man vor allem wissen, worauf man sich in Deutschland einlässt, wie die Begebenheiten vor Ort sind etc. Die eigenen Erwartungen und dem was vor Ort vorhanden ist, sollten sehr gut interagieren.

Herr Professor Mattner, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch.


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