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www.focus.de vom 3.11.2005
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Kluge Köpfe wandern ab
Deutschlands klügste Köpfe verlassen ihr Heimatland
mangels Perspektiven.
Eigentlich wollte Bernhard Seeber nach Deutschland zurückkehren.
Nach zweijähriger Forschungsarbeit an der Berkeley Universität
(Kalifornien) suchte der Elektro-Ingenieur aus Dessau
händeringend einen Job in der Heimat. Aber leider ohne Erfolg:
„Es gab keine attraktive Stelle, auf die ich mich bewerben
konnte", beklagte der Akustikexperte. Also verlängerte der
promovierte Forscher im Frühjahr seinen Vertrag an der Berkeley
Universität um zwei weitere Jahre.
„Deutsche Unis müssen mehr werben“
Wie Seeber sehen viele der deutschen Nachwuchswissenschaftler
keine berufliche Perspektive in ihrem Heimatland. 6000 junge
deutsche Forscher arbeiten nach Angaben der German Scholars
Organisation (GSO) derzeit in den USA. „Ein Viertel der
Forscher, die in die USA gehen, kommt nicht nach Deutschland
zurück", sagt GSO-Gründer Professor Eicke Weber. Der
Physik-Professor hat sich zum Ziel gesetzt, die Abwanderung der
besten Wissenschaftler aus Deutschland zu stoppen. „Die
deutschen Unis müssen verstärkt um die besten Köpfe werben",
fordert Weber. „Sonst wandern noch mehr Forscher ab.“
Weber weiß, dass die Universitäten in den USA für viele deutsche
Wissenschaftler reizvoll sind. „Hier herrscht ein besseres
Forschungsklima", sagt er und weist auf die finanziell bessere
Ausstattung der amerikanischen Hochschulen hin. Außerdem locke
die Zusammenarbeit mit manchen weltbekannten Wissenschaftlern an
den US-Eliteuniversitäten – oder zumindest die Nähe zu ihnen.
Sogar deutsche „Star“-Forscher wie Physik-Nobelpreisträger
Wolfgang Ketterle haben einen Lehrstuhl in den USA.
„Zukunft Wissenschaft“
Doch trotz der Vorzüge der amerikanischen Universitäten wünschen
sich viele deutsche Nachwuchsforscher die Rückkehr nach Europa.
Rund 450 deutsche Wissenschaftler in Nordamerika haben sich
jüngst in einem offenen Brief an die Wissenschaftsminister von
Bund und Ländern für eine attraktivere Hochschullandschaft in
Deutschland stark gemacht. Sie fordern, dass erfolgreichen
Juniorprofessoren und Leitern von Nachwuchsgruppen eine
langfristige berufliche Perspektive geboten wird. „Außerdem
wollen wir, dass das Berufungsverfahren für Professorenstellen
transparenter und nachvollziehbarer gestaltet wird", sagt Ansgar
Reiners, Mitinitiator der Initiative „Zukunft Wissenschaft“.
„Brain Drain“ in Deutschland
Das Phänomen „Brain Drain", also die Abwanderung junger
Akademiker ins Ausland, ist für deutsche Wissenschaftler aber
nicht neu. „Pro Jahr wandern aus meinem Fachbereich zwei bis
drei meiner besten Studenten ins Ausland ab", stellt
Wirtschaftsprofessor Michael C. Burda von der Berliner
Humboldt-Universität fest. Bessere Promotionsbedingungen und ein
strafferes Doktorandenstudium – dies sind laut Burda Gründe,
warum deutsche Talente ihr Glück in den USA suchen. Insgesamt 10
000 Deutsche studieren nach Angaben des Deutschen Akademischen
Austauschdiensts derzeit in den USA.
Ob Bernhard Seeber in naher Zukunft nach Deutschland
zurückkehrt, ist noch offen. Seine Arbeit an der Berkeley
Universität mit den modernsten technischen Akustik-Geräten macht
ihm Spaß. „Ich bin hier in einem der besten Labore und an einer
der besten Unis der Welt", schwärmt der Elektro-Ingenieur –
leider hilft das oft nichts gegen das Heimweh.
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