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Financial Times Deutschland
vom 28.04.2007
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Welcome back
von Antonia Götsch (Berlin)
Im Wettbewerb um die besten Forscher blicken Unis und
Unternehmen zunehmend ins Ausland. Mit Geld und Werbung
versuchen sie deutsche Auswanderer zurückzulocken.
Felix Engel kann Herzen nachwachsen lassen. Zumindest hat er
herausgefunden, wie man Herzzellen teilt. In den USA, wo er
seine Entdeckung gemacht hat, ist er bekannt. Sein Name stand in
allen großen Zeitungen. In Deutschland hingegen fand der
36-jährige Zellbiologe jahrelang keinen Job. "Ich betreibe
Risikoforschung, die in vielen Fällen ohne Ergebnis bleibt",
sagt Engel, "dafür gibt es hier keine Fördergelder und keine
Stellen."
Auswanderern wird die Rückkehr mit Förderprogrammen
schmackhaft gemacht
Braingain: 5000 deutsche Forscher in den Vereinigten Staaten
sind eine heiß umworbene Zielgruppe bei UnternehmenNach fünf
Jahren in Harvard ist der Nachwuchsforscher nun doch zurück.
Eine Assistenzprofessur an der Eliteuni hat er ausgeschlagen -
dank eines Förderpreises des Bundesforschungsministeriums, der
Spitzenforscher aus dem Ausland nach Deutschland locken soll.
Mit den 1,1 Mio. Euro aus dem Sofja-Kovalevskaja-Preis kann
Engel über vier Jahre eine eigene Nachwuchsgruppe aufbauen. Zwei
Doktoranden hat er schon eingestellt, einer kommt noch. "Ohne
den Preis wäre ich nicht zurückgekommen", sagt Engel.
Stiftungen, Politiker und Wissenschaftsorganisationen versuchen
zunehmend, Auswanderern die Rückkehr mit Förderprogrammen
schmackhaft zu machen. Inzwischen engagieren sich auch
Unternehmen für den "Braingain".
Schließlich verlassen jedes Jahr allein mehr als 2000
Wissenschaftler Deutschland in Richtung USA. Über 5000 Deutsche
forschen derzeit dort. Und die Hälfte der akademischen
Auswanderer kehrt nicht zurück. "Das ist ökonomisch ein großes
Verlustgeschäft, schließlich hat Deutschland viel Geld in die
Ausbildung dieser Leute investiert", sagt Katharina Aly,
Geschäftsführerin der German Scholars Organization (GSO). Die
gemeinnützige Einrichtung vernetzt und informiert deutsche
Wissenschaftler in den USA, mit dem Ziel, sie in die Heimat
zurückzulocken.
Nordrhein-Westfalen lockt mit einem eigenen
Rückkehrerprogramm
Politik und Wissenschaftsorganisationen haben die Abwanderung
der Elite inzwischen als Thema erkannt. Nordrhein-Westfalen hat
als erstes Bundesland ein Rückkehrerprogramm ausgeschrieben, für
das zwischen 2007 und 2011 rund 10 Mio. Euro bereitstehen. Für
die 140 Auswanderer, die die GSO vergangene Woche zur Konferenz
nach Berlin eingeladen hatte, nahm sich Bundespräsident Horst
Köhler persönlich Zeit und ließ sich erklären, was sie
zurücklocken würde: verlässliche Karrierewege, vergleichbare
Bezahlung und weniger bürokratische Hürden.
"Neu ist, dass sich verstärkt Unternehmen für die Rückkehr
engagieren", berichtet Aly. Schon seit 2004 veranstaltet die GSO
parallel zum Jahrestreffen der Scholars eine Jobbörse, zu der
sie auch deutsche Firmen einlädt. "Das Interesse an solchen
Veranstaltungen steigt", sagt Aly. Zu den wichtigsten
Unterstützern zählt seit Januar die Deutsche Bahn. Im März hat
das Unternehmen erstmals einen Marketing- und Personalmanager in
die USA entsandt. Der soll die GSO bei der Organisation des
Auswanderernetzwerks unterstützen. "Als großer Arbeitgeber haben
wir eine soziale Verantwortung und wollen helfen, dass gute
Wissenschaftler hier in Deutschland forschen", sagt Matthias
Afting, Leiter der Abteilung Personal- und Bildungsstrategie.
Angenehmer Nebeneffekt: Die Bahn hat einen Headhunter vor Ort.
"Natürlich haben wir auch ein Interesse, Spitzeningenieure und
-techniker zu gewinnen", sagt Afting.
McKinsey rekrutiert 10 bis 15 Prozent der deutschen
Mitarbeiter in den USA
Die Beraterfirma McKinsey kooperiert nicht nur mit der GSO,
sondern ist an allen Jobbörsen großer US-Unis vertreten, um dort
gezielt nach deutschen Exilanten zu suchen. "Wir rekrutieren 10
bis 15 Prozent unserer deutschen Mitarbeiter in den USA", sagt
Kalle Greven von McKinsey. "Wer für seine Karriere ins Ausland
geht, um dort nach den besten Forschungsbedingungen zu suchen,
bringt genau den Biss mit, den wir wollen."
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