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Interview der ZDF.reporter
vom 28.1.2010
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"Ich wollte immer
zurück!"
Interview mit Professor
Eicke Weber, der wieder in
Deutschland arbeitet
Eicke Weber gehört zu
Deutschlands renommiertesten
Wissenschaftlern: Seit vier
Jahren leitet der Physiker
das Fraunhofer-Institut für
Solare Energiesysteme in
Freiburg. Das größte seiner
Art in Europa. Außerdem
lehrt er angewandte Physik
an der Universität Freiburg.
Für seine Forschung wurde er
vielfach ausgezeichnet,
sogar mit dem
Bundesverdienstkreuz. Eine
Bilderbuch-Karriere, die der
60-jährige nur machen
konnte, weil er auswanderte.
ZDFonline: Warum
sind Sie ausgewandert ?
Professor Eicke Weber: Ich
habe eigentlich nie daran
gedacht, Deutschland zu
verlassen. Aber als ich mich
1983 in Köln habilitiert
hatte, gab es an deutschen
Universitäten keine Stellen
für Physiker. In
Nordrhein-Westfalen wurden
gerade 30 Prozent der
Professuren gekürzt. Ich
habe einfach keine
Anstellung gefunden. Und da
kam das Angebot aus
Berkeley, Kalifornien.
ZDF.online: Eine der
amerikanischen
Elite-Universitäten?
Weber: Ja, die wollten mich
als Assistant Professor.
Schon das war ein
Riesen-Unterschied zu
Deutschland. Hier muss man
sich bewerben, die
amerikanischen Universitäten
sprechen direkt die besten
Leute an - da fühlt man sich
natürlich geehrt, wenn man
so wie ich ein Angebot
bekommt. Und dann bedeutete
das für mich auch: ein
höheres Gehalt als in
Deutschland - gerade mit dem
damaligen Dollarkurs - und
bessere Karrierechancen.
ZDF.online: Wie
sehen diese Chancen für
Nachwuchswissenschaftler
genau aus?
Weber: In den USA gibt es
den "tenure track": Ich habe
als Assistant Professor
angefangen und nach sechs
Jahren war ich Full
Professor. Das heißt, wenn
man einer amerikanischen Uni
anfängt, dann hat man gleich
volle Mitsprachrechte, hat
alle Möglichkeiten, Geld für
seine Forschungsprojekte zu
sammeln. So leitete ich nach
einem Jahr in den USA die
größte Projektgruppe in
meinem Department. Und
außerdem bekommt man als
junger Wissenschaftler die
Chance auf Festanstellung.
Wer sich im tenure track
bewährt, der bekommt eine
volle Professur angeboten.
ZDF.online: Wie
wären dagegen Ihre Chancen
in Deutschland gewesen?
Weber: Ganz ehrlich, nach
den ersten zwölf Monaten in
Berkeley bekam ich eine
Professur an der Uni
Duisburg angeboten. Noch ein
Jahr vorher hätte ich mich
darüber enorm gefreut. Aber
jetzt: Kalifornien gegen
Duisburg eintauschen? Und
damit die Möglichkeit, an
einer Eliteuni zu forschen?
Das kam für mich nicht mehr
in Frage.
ZDF.online: Sind die
Forschungsbedingungen an
amerikanischen Unis denn so
viel besser als in
Deutschland?
Weber: Von der Ausstattung
der Professuren war
zumindest in den 80er Jahren
kein großer Unterschied.
Aber in den USA schafft man
für begabte
Nachwuchswissenschaftler
Räume, in denen sie frei
ihre Ideen entwickeln
können. In Deutschland ist
man in starre Hierarchien
eingebunden, als junger
Professor hat man einfach
nicht die gleichen Rechte
wie die Altgedienten.
Außerdem darf man nicht
vergessen: In Deutschland
steckt man im akademischen
Mittelbau fest. Anders als
in den USA, wo man bei
Bewährung zum Full Professor
aufsteigen kann, gibt es bei
uns keine Stellengarantie.
Häufig müssen
Juniorprofessoren den
Standort wechseln, um
aufzusteigen.
ZDF.online: Warum
ist das problematisch?
Weber: Gerade in den
Naturwissenschaften hat man
ein Laboratorium aufgebaut
mit experimentellen
Apparaturen. Wenn man dann
für eine bessere Stellung an
eine andere Uni wechseln
muss, überlegt man zwei Mal,
wieder von vorne anzufangen,
alles neu aufzubauen und das
auch noch finanziert zu
bekommen.
ZDF.online: Trotzdem
sind Sie wieder nach
Deutschland zurückgekehrt!
Weber: Ich wollte immer
zurück, es fehlte nur das
richtige Angebot - siehe
Duisburg. Und wenn man mal,
wie ich in Berkeley, einen
gewissen Status erreicht
hat, dann will man nicht
zurückstecken. Auch
finanziell nicht. Deswegen
war ich froh, als man mir
2006 anbot, Leiter des
Fraunhofer-Instituts für
Solare Energiesysteme zu
werden. Und dann spielte da
auch ein persönlicher Grund
eine Rolle: Ich habe meine
jetzige Frau, eine Deutsche,
auf einem Flug von San
Francisco nach München
kennengelernt. Es war ihr
erster Besuch als Touristin
in den USA. Ja, und jetzt
sind wir beide zusammen
hier.
ZDF.online: Sie
haben sich schon vor Ihrer
Rückkehr für eine bessere
Vernetzung von deutschen
Wissenschaftlern im Ausland
mit ihrer Heimat eingesetzt.
Warum?
Weber: Ich habe den Kontakt
zu Deutschland nie verloren.
Mir fiel auf, dass die
deutschen Wissenschaftler im
Ausland überhaupt nicht
vernetzt sind. Und als auf
einer Tagung ein Mitarbeiter
eines deutschen
Pharmaunternehmens mich
ansprach, dass dieses
Potential, diese gut
ausgebildeten, deutschen
Nachwuchskräfte, gar nicht
für ihre alte Heimat genutzt
werden könnten, da sah ich
Handlungsbedarf. 2003
gründete ich die German
Scholar Organization, die
nicht nur deutsche
Wissenschaftler im Ausland
untereinander und mit der
heimischen Industrie
vernetzt. Wir holen auch
deutsche Wissenschaftler
wieder zurück.
ZDF.online: Wie geht
das?
Weber: Die Krupp-Stiftung
kam 2006 auf uns zu: 'Wir
finden gut, was Ihr macht.
Wie können wir Euch
unterstützen?' Und dann
gaben sie uns richtig Geld
an die Hand. Inzwischen sind
es über fünf Millionen Euro,
um deutsche Spitzenkräfte
wieder zurückzuholen. Wir
unterstützen Bewerber bei
den Kosten, wenn sie zu
Vorstellungsgesprächen
anreisen. Und fördern die
Ausstattung von Lehrstühlen
mit bis zu 100.000 Euro. Mit
diesem Programm allein haben
wir schon 30 Professoren
wieder nach Deutschland
geholt.
ZDF.online: Was muss
sich ändern, damit der
Standort Deutschland für
Spitzenforscher wieder
interessant wird?
Weber: Ich denke, dass wir
mit der Juniorprofessur und
mit der Exzellenzinitiative
schon den richtigen Weg
eingeschlagen haben. Wir
dürfen nur nicht
stehenbleiben. Wir brauchen
finanziell selbstständige
Universitäten mit einem
globalen Budget und mehr
Chancen, Gelder einzuwerben.
Außerdem mehr Möglichkeiten,
Karrieren nicht streng nach
Hierarchien zu gestalten.
Und das Besoldungssystem
muss sich ändern. Geld ist
nicht alles. Aber gerade
Nachwuchswissenschaftler,
die eine Familie gründen
wollen, brauchen sichere und
finanziell abgesicherte
Karrierechancen. Wir dürfen
uns nicht auf den Lorbeeren
der Vergangenheit ausruhen -
als die deutschen
Universitäten noch Weltrang
hatten. |
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