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Berichte von Teilnehmern des „Fit for Germany
Workshop“
der GSO am 23. April 2005
Holger Doege
Am 23.April dieses Jahres fand für einen begrenzten
Teilnehmerkreis (25 Personen) der erste „Fit for
Germany“ Workshop der GSO statt, welcher auf dem Mission
Bay Campus der UC San Francisco durchgeführt wurde.
Hintergrund dieser Veranstaltung war der Wunsch vieler
GSO Scholars, aus erster Hand aktuelle Informationen
über den Bewerbungsprozess in deutschen Unternehmen und
Forschungseinrichtungen sowie über das
Berufungsverfahren an deutschen Universitäten zu
erhalten. Diese Aufgabe wurde von den nachfolgenden
Referenten sehr gut gelöst:
- Dieter Stache, Vorstand der GSO und ehemaliger
Personalleiter
der Schering AG,
- Dieter Langer, Vorstand der GSO und
Universitätskanzler a.D.,
- Michael Hartmer, Geschäftsführer des Deutschen
Hochschulverbandes
- Matthias Afting, McKinsey & Company
Die dargebrachten Beträge zeichneten sich nicht nur
durch das geschickte „Hand-in-Hand”-Spiel der o. g.
Referenten aus, sondern auch durch die interessante und
perspektivenreiche Darstellung der vorgestellten
Inhalte.
Auf der Tagesordnung standen zu Anfang allgemeine
Themen, wie beispielsweise ein Vergleich der Arbeitsorte
USA und Deutschland in Hinblick auf Life Style,
Arbeitsbedingungen, Einkommen, Wirtschaftsdaten und
demographische Entwicklung.
Im zweiten Teil wurde auf die eigentliche Thematik des
Workshops, das Bewerbungsverfahren in Deutschland, näher
eingegangen. Hierbei zeigte sich deutlich der Bedarf
nach Austausch und Vernetzung. Viele der Teilnehmer
schienen, aufgrund der zum Teil schon länger andauernden
Abwesenheit von und/oder großen Entfernung nach
Deutschland, über die aktuelle Situation auf dem
dortigen Arbeitsmarkt nicht mehr ausreichend informiert
zu sein. Vordergründig wurde über Fragen wie potentielle
Arbeitgeber für Wissenschaftler, Informationsquellen für
die Jobsuche, Analysen von Stellenanzeigen und
Durchführung des Hochschulberufungsverfahrens referiert.
Aber auch die „Basics“, wie Bewerbermappe,
Bewerbergespräch und Bewerberauswahl wurden noch einmal
auffrischend erläutert.
Den Abschluss bildete eine offene Diskussionsrunde, in
welcher beide Seiten Rückmeldungen über den Tag geben
konnten. Diese fielen sehr positiv aus.
So bleibt nur noch zu sagen:
Ein großes Dankeschön den GSO-Organisatoren und
Referenten für ihr Engagement, die informationsreichen
Beiträge und die gelungene Veranstaltung.
Und natürlich: bitte weiter so!
Daniel Rauh
Für 8 Stunden ein Stück Deutschland in San Francisco
Seit genau einem Jahr bin ich als Postdoc an der UCSF
und frage mich seit langem, warum die
Forschungsbedingungen in den USA so hervorragend sind
und warum es einen als Wissenschaftler nach der
Promotion in Deutschland magisch in die USA zieht. Ich
frage mich, warum wir solche Bedingungen nicht in
Deutschland hinbekommen und wie es für mich und meine
Kollegen nach dem Postdoc im Forscherparadies
weitergehen soll.
Bei all dem Nachdenken und Grübeln war die Überraschung
groß, zufällig von der Existenz der GSO, deren Zielen
sowie dem bevorstehenden Treffen in San Francisco zu
erfahren. Bereits der Auftakt am 22. April 2005 war ein
erster Höhepunkt. Empfang im Generalkonsulat der
Bundesrepublik Deutschland bei Herrn Generalkonsul Bernd
Westphal und dessen Frau. Bei Bratwurst und deutschem
Bier erhielt man erste Informationen über die Ziele der
GSO, traf auf Kollegen aller erdenklicher Disziplinen
und genoss in entspannter Atmosphäre die beeindruckende
Residenz in Pacific Heights sowie den wunderbaren Blick
auf die Bay. Erst das jähe Ende der privaten Biervorräte
des Generalkonsuls beendete den Event. Man durfte
gespannt auf den kommenden Tag und den Workshop „Fit for
Germany“ sein.
Das Ziel des Workshops am 23. April bestand darin, junge
Wissenschaftler fit für den Eintritt in den deutschen
Forschungs- und Arbeitsmarkt zu machen oder zumindest
die Bindung nach Deutschland zu fördern, um dem „brain
drain“ entgegenzuwirken. Ein ambitioniertes Vorhaben,
das sich GSO und Ihre Geldgeber auf die Fahnen
geschrieben haben. Finden wir doch in den USA die besten
Forschungsmöglichkeiten, die man sich vorstellen kann.
Exzellenz auf allen Gebieten: Ausstattung, finanzielle
Mittel und nachhaltige Förderung des wissenschaftlichen
Nachwuchses. Eine wissenschaftliche Infrastruktur eben
in der man von allen Seiten bemüht, ist ein attraktives
Umfeld zu schaffen. Im Ergebnis wird unkompliziert
Spitzenforschung ermöglicht, wie sie in Deutschland
leider nur an wenigen Orten derzeit möglich ist.
Bedingungen, die sich jeder Wissenschaftler wünscht, so
dass man hier eigentlich gar nicht mehr weg möchte. Oder
vielleicht doch? Hier setzte der Workshop an, um
Antworten zu liefern.
Doch bevor es zur Sache ging, verlangte die von Seiten
der Jungwissenschaftler aufgebrachte Frage, ob die
anzufertigenden Namensschilder mit Vor- oder Nachnamen
oder beidem zu versehen sind nach Aufklärung. Von Seiten
der Referenten entschied man sich für die Nachnamen –
typisch deutsch. Eine Kleinigkeit möchte man meinen,
doch sind es nicht gerade diese Kleinigkeiten, die den
großen Unterschied zwischen Deutschland und den USA
ausmachen? Sind es nicht genau diese Kleinigkeiten, die
das Forschen an den hiesigen Instituten so sehr
erleichtern und letztendlich attraktiv machen? Man nennt
Professoren beim Vornamen, bleibt nicht vor
verschlossener Tür oder an der Sekretärin hängen. Kurze
Kommunikationswege sind Grundvoraussetzung für eine
erfolgreiche Wissenschaft.
Welche Möglichkeiten bietet also Deutschland in
Forschung und Entwicklung, an Forschungsinstituten,
Hochschulen und Industrie, wie sind die
Rahmenbedingungen? Gibt es Alternativen außerhalb der
eigenen Fachdisziplin? Wie schaffe ich den erfolgreichen
Sprung über den Atlantik?
Fragen auf die die Referenten erschöpfend Antwort haben
geben können. Es wurden die Besonderheiten von
Bewerbungsverfahren aus Sicht der Industrie und den
Universitäten aufgezeigt. Wie bewirbt man sich richtig,
worauf ist zu achten bei Anschreiben, Lebenslauf, den
Bewerbungsgesprächen und Verhandlung über Gehalt und
Sonderkonditionen. Detailwissen, vermittelt durch Herrn
Dieter Stache (ehem. Personalleiter in einem
Industrieunternehmen), das helfen kann, das
ritualisierte Bewerbungsverfahren in Deutschland heil zu
überstehen und nicht schon in der ersten Runde aufgrund
mangelhafter Bewerbungsunterlagen bereits an den
Sacharbeitern der Personalabteilungen zu scheitern.
Wer bisher dachte, alles über Bewerbungen und
Berufungsverhandlungen zu wissen, dem wurde schnell
klar, dass gerade jetzt, wo mehr Eigenverantwortung auf
die knappen Kassen der Hochschulen trifft, die komplexe
Materie von Berufungsverfahren und
Berufungsverhandlungen fast nur mit professioneller
Unterstützung zu begreifen ist. Wer weiß schon, was ein
Universitätspräsident, Kanzler, Dekan oder Rektor zu
sagen hat, wie verbindlich von Seiten der Universität
gemachte Zugeständnisse sind und wie es sich mit den
Finanzmitteln verhält. Hier konnten Universitätskanzler
a.D. Herr Peter Langer sowie der Geschäftsführer des
Deutschen Hochschulverbandes Herr Dr. Michael Hartmer
kompetent informieren.
Doch welche Alternativen gibt es? Die
Unternehmensberatungs-Firma McKinsey&Company vertreten
durch Herrn Dr. Matthias Afting zeigte anhand von
Beispielen Berufsbilder auf, in denen z.B. das
analytische Denken von Wissenschaftlern gefragt ist,
ohne dass diese Aufgaben etwas mit Wissenschaft zu tun
haben.
In der Diskussion der Workshop-Teilnehmer untereinander
wurde klar, dass die meisten Postdocs wieder zurück nach
Deutschland oder zumindest in den europäischen Raum
wollen.
Aspekte wie die derzeitige politische Lage in den USA,
ein fehlendes Umweltbewusstsein, zurückgelassene Freunde
und Familien, schlechter sozialer Rückhalt, finanzielle
Belastungen für Eltern, die ihre Kinder auf gute Schulen
schicken wollen, werden bei vielen deutschen
Wissenschaftlern zu Argumenten, die den hervorragenden
Forschungsbedingungen hier gegenüber stehen und den
Blick gen „good old Germany“ wenden.
Natürlich muss jeder für sich die Entscheidung treffen,
ob USA, Europa oder Deutschland und ob man bereit ist,
als Professor mit der Besoldung W3 60€ mehr als ein
Grundschullehrer zu verdienen. Ob es sich lohnt, eine
Juniorprofessur anzustreben, um nach wenigen Jahren
evtl. erneut um seine wissenschaftliche Kariere bangen
zu müssen.
Die Probleme sind bekannt und man ist dabei, die
Direktiven für eine nachhaltige Hochschulpolitik in
Deutschland zu schaffen. Doch wird sie uns nützen und ab
wann? Der gute Wille ist zu erkennen doch wie die
finanziellen Mittel bereitgestellt werden sollen bleibt
offen. Es müssen z.B. die gesetzlichen Vorgaben
geschaffen werden, damit Privatunternehmen aktiv in die
Unterstützung der Hochschulen eingreifen können. Gängige
Praxis in den USA – vielleicht war es ein Zeichen, dass
Workshop und Symposium in der neuen „Genentech Hall“ der
UCSF stattfanden.
Dr. Wilhelm Krull, Generalsektretär der
VolkswagenStiftung skizierte in seinem Plenarvortrag
während des Symposiums am 24. April 2005 ein
überzeugendes Bild des deutschen und europäischen
Wissenschaftssystems. Er zeigte in seinem Plenarvortrag
am Beispiel der VolkswagenStiftung wie eine intelligente
Förderung von Nachwuchswissenschaftlern in Deutschland
erfolgreich sein kann.
So hätte man sich zur Diskussion die Anwesenheit
deutscher Politiker gewünscht. Denn viele offene Fragen,
die nur die Politik beantworten kann bleiben. Wann
werden die Reformen greifen? Wo soll das Geld herkommen?
Schließlich wäre es schade, wenn Industrie und
Stiftungen als einzige um das Aufhalten des „brain
drains“ bemüht wären.
Als Fazit lässt sich sagen, dass es reichlich
Möglichkeiten und Alternativen für Wissenschaftler zur
Rückkehr nach Deutschland gibt, man muss sie nur kennen
und nutzen können. Um mehr Transparenz zu schaffen, bot
der Workshop mit den differenzierten Darstellungen der
Experten sowie der guten Organisation eine ideale
Plattform und zudem ein Stück Deutschland in San
Francisco.
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